• Zwei Schweizer Trümpfe in Bern

    Beim 36. Grand-Prix von Bern geht Vorjahressieger Ghirmay Ghebreslassie als Favorit an den Start. Im Frauenrennen treten die Schweizerinnen Martina Strähl und Maja Neuenschwander mit unterschiedlichen Vorgeschichten an.

    Der Grand-Prix von Bern setzt abermals neue Massstäbe: Was 1982 mit rund 3000 Teilnehmenden begann, gipfelt am Samstag abermals in einem Rekordlauf: Mit 33 618 Anmeldungen wurde die bisherige Bestmarke aus dem Vorjahr (32 355) deutlich übertroffen. Zum Vergleich: Die Teilnehmerzahl entspricht in etwa der Einwohnerzahl der Stadt Neuenburg.

    Zum Sportlichen: Ghirmay Ghebreslassie (21) geht am Samstag nicht nur als souveräne Vorjahressieger sondern auch als aktueller und jüngster Sieger des prestigeträchtigen New-York-City-Marathon an den Start. Auf die Frage nach den Gründen seiner Rückkehr nach Bern, hat der eritreische Marathon-Weltmeister von 2015 eine einfache Antwort parat: „Als ich letztes Jahr gefragt wurde, ob ich wiederkommen werde, habe ich ja gesagt.“ Ghebreslassie hält also Wort. Ob er auch ein Wort um den Streckenrekord wird mitreden können, lässt er offen. „Als Athlet will man immer Rekorde brechen.“ Um an die Bestzeit seines Landsmannes Zersenay Tadese aus dem Jahr 2004 (46:05 Minuten) heranzukommen, müsste er rund eine Minute schneller sein als bei seinem Vorjahressieg.  
    Seine Startnummer erhielt Ghebreslassie, der am Mittwoch direkt aus Eritrea angereist war, aus den Händen von Alec von Graffenried, der am Samstag als erster Berner Stadtpräsident an der GP-Startlinie stehen wird.

    Das Frauenrennen verspricht heuer aus Schweizer Sicht besonders interessant zu werden. Mit Martina Strähl und Maja Neuenschwander stehen gleich zwei einheimische Aushängeschilder auf der Startliste. Für Strähl, die sich als erste Schweizer Athletin das Ticket für die Leichtathletik-WM in London gesichert hat, stellt der GP „ein wichtiger Gradmesser auf dem Weg an den WM-Marathon im August dar“. Die Vorjahreszweite hofft, dass sie in Bern erneut den Sprung aufs Podest schafft. Der letzte GP-Sieg einer Schweizerin liegt schon ein paar Jahre zurück und ging 1998 auf das Konto von Franziska Rochat-Moser.

    Auch für Maja Neuenschwander hätte die englische Hauptstadt dieses Jahr zu einem Highlight werden sollen. Nach dem Dämpfer am London-Marathon Ende April (Aufgabe wegen Rückenproblemen), freut sich die Bernerin „auf ein positives Wettkampferlebnis“ an ihrem Heimrennen. Körperlich sei alles wieder im grünen Bereich. Sie sei gespannt zu sehen, wie es um ihre mentale Verfassung stehe. Die Enttäuschung in London habe sie allerdings abgehakt.